Die Lage des deutschen Wärmemarktes für die Beheizung von Gebäuden ist gekennzeichnet durch die Beendigung von Vorzugspreisen für Gaslieferungen aus Russland. Seit ca. 18 Jahren wurde das Preisniveau von Erdgas in Deutschland im Vergleich zu Weltmarktpreisen künstlich niedrig gehalten. Die Versorgung wurde monopolisiert und durch politisch motivierte Dumpingpreise wurde die Beheizung mit erneuerbaren Energien verhindert. Mit der nicht erfolgten Befüllung der europäischen Gasspeicher seit April 2021 hat sich die Preissituation drastisch umgekehrt.

Diese Grafik zeigt nur die Brennstofkosten und nicht die Kosten, die für den Betrieb aller Wärmeerzeuger an die deutschen Verbraucher berechnet werden. Statistischen Daten zufolge beträgt dervergleichbare Preis pro kWh Elektrizität im April 2022 0,32 €.

Für die Nutzung in Wärmepumpen muss man den vergleichbaren Preis von Elektrizität durch die Jahresarbeitszahl teilen. Geht man von einer Jahresarbeitszahl von 3 für Luftwärmepumpen aus – die auch für Bestandsgebäude realistisch ist – so war bei den gezeigten Preisen im April 2022 eine Wärmepumpe bereits konkurenzfähig. Und diese Preise sind seither weiter gestiegen.

Historisch lag der Preis in €/MWh Gas an der holländischen Börse bei unter 20 € und versiebenfachte sich im Laufe der russischen Invasionvorbereitungen seit 2021. Inzwischen ist der aktuelle Preisfaktor im Großhandel eher auf 4,5 zurück gegangen wärend sich im Kriegsverlauf trotz laufender Lieferungen der langfristige Preis verdoppelt hat und weiterhin ansteigt. Der aktuelle Gaspreis für deutsche Verbraucher dürfte etwa um den Faktor 6,5 gestiegen sein.

Bei Investitionen in Wärmeerzeuger ist die voraussichtliche langfristige Kostenentwicklung relevant. Für diese Einschätzung sind die politischen Rahmenbedingungen und die Logistik die dominanten Faktoren.

Der Koalitionsvertrag der Ampel sieht eine 65%tige Nutzungspflicht erneuerbarer Energien bei Investitionen im Neubau und Bestand zum 31.12.2024 vor.  Inzwischen wurde diese Gesetzgebung nach dem Willen der Regierung um 1 Jahr auf 31.12.2023 vorverlegt. Dies indiziert eine massive Lenkung weg vom Gas hin zu elektrischen Wärmepumpen. Ohne Preisvorteile für Wärmepumpenstrom über den Gaspreis wäre das nicht realisierbar. Hier ist also ein klarer Hinweis für die zukünftige Preissteuerung durch CO2-Abgaben ablesbar. Noch in diesem Jahr könnte ein totales Embargo aller Energieträger aus Russland oder die totale Drosselung durch Russland Realität werden.

Vom logistischen Standpunkt ist zu erwarten, dass Öl und Kohle nach einem Importstop für mehrere Jahre günstiger sein werden als Gas. Jede Belieferung mit Gas aus dem persischen Golf, dem Mittelmeer, dem kaspischen Meer, der Nordsee, den USA oder dem schwarzen Meer bräuchte sehr langfristige Investitionen in Pipelines, Schiffe und LNG Terminals. Es ist fraglich, dass diese Investitionen in großem Umfang fließen werden. Und ganz sicher können die Dumpingpreise vor dem Ukrainekrieg nie wieder erreicht werden. Der generelle Preisanstieg durch die Verknappung der förderbaren Reserven und die immer weiter fallenden Kosten für grünen Strom werden ein drastisches Umlenken der Investitionen in erneuerbare Energien bewirken. Nach meiner Einschätzung könnte der Gaspreis für Verbraucher sich eher beim 3,5-fachen des historischen Normalpreises also bei 25 ct/kWh einpendeln.

Für Strom dürften solche Preiserhöhungen unrealistisch sein. Strom wird heute nur zu 15% aus Erdgas hergestellt. Dieser Anteil soll mittelfristig nach Aussagen des Wirtschaftsministeriums durch Kohleverstromung ersetzt werden bis höhere Anteile aus erneuerbaren Energien die Kohle schließlich verdrängen werden. Es gibt daher wenig Anlass wesentlich höhere Strompreise zu erwarten.

Perspektivisch führt eine Beheizung mit Wärmepumpe zu einer Halbierung der Heizkosten gegenüber der Beheizung mit Gas. Und das gilt unabhängig von der Art des Gebäudes – ob Bestand oder Neubau – weil die Menge an Energie keine Rolle spielt wenn sie im Falle von Erdgas zum doppelten Preis verkauft wird. Daraus ergibt sich für den Bestandsbesitzer mit Erdgasheizung der massive Anreiz zur Investition in eine Wärmepumpe. Je älter das Haus ist und je mehr Gas benötigt wird umso schneller amortisiert sich der Umstieg. Meine Frage ist:  Wann wollen Sie umsteigen?